Am Wochenende ist die Welt wieder ein Stück mehr in Unordnung geraten. Wir bei polisphere e.V. fragen uns regelmäßig, was wir zur Stabilisierung der Lage beitragen können. Zum Glück scheinen wir nicht die Einzigen zu sein, die sich Gedanken dazu machen, deshalb stellen wir heute den Verein „Artikel 1 Initiative für Menschenwürde e.V.“ vor. Dort haben sich einige bekannte Kommunikatoren wie Kajo Wasserhövel, Michael Donnermeyer und Hans Langguth mit weiteren Engagierten zusammengetan, um eine „Kampagnenstruktur für Demokratie“ aufzubauen. Ein Ziel des Vereins ist es, bis zur Bundestagswahl eine „wuchtige Kampagne für Demokratie und Menschenwürde in Deutschland“ zu entwickeln und mit einzelnen Bausteinen aus der „Demokratiefabrik“ alle zu unterstützen, die ähnliche Ziele verfolgen und bei der Kommunikation noch etwas Hilfe brauchen. Wer sich angesprochen fühlt, kann einfach mitmachen.

Woher der Bedarf für ein solches Engagement kommt, analysiert der Politikwissenschaflter Oskar Niedermayer in einer aktuellen Studie. Demnach haben die etablierten Parteien, die bisher den politischen Diskurs organisiert haben, seit 1990 die Hälfte ihrer Basis verloren. So gingen die Mitgliederzahlen von 2,4 Millionen im Jahr 1990 auf heute 1,2 Millionen zurück. Es bleiben also immer weniger interessierte Menschen, die sich der Diskussion auf dem Marktplatz, vor dem Supermarkt oder am Stammtisch stellen und politische Prozesse erklären.

Eine neue Chance für diesen Annäherungsprozess an den politisch ungebundenen Bürger bietet unter anderem die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September. Der Tagesspiegel hat die Lage in den Berliner Bezirken studiert und wagt die Prognose, dass die SPD einige Bürgermeisterposten an die Grünen und die Linke verlieren wird. Um der AfD etwas entgegenzusetzen, raten Wahl- und Sprachforscher zu mehr Gefühl in der Politik. Reine Vernunftargumente seien nicht ausreichend.

Eine eigene humorvolle und kreative Ansprache „für gegen digitalen Hass“, den insbesondere AfD-Anhänger verbreiten, hat die No Hate Speech Bewegung gefunden. Sie wirbt für ein Netz ohne Hasskommentare und ruft die Bürger dazu auf, „laut und freundlich“ Position zu beziehen: „Hass ist keine Meinung. Nicht mal im Internet.“

Hasskommentare von seinen diplomatisch geschulten Amtskollegen muss der neue britische Außenminister Boris Johnson, bis vor kurzem Anführer des Brexit-Lagers, bei seinem ersten Treffen der EU-Außenminister in Brüssel am heutigen Montag wahrscheinlich nicht fürchten, aber das Internet war da weniger freundlich. Von hämisch bis fassungslos reichten die Reaktionen auf seine Ernennung. Ein kleiner Trost ist, dass Johnson nicht für den Austrittsprozess zuständig sein wird, dafür aber in anderen Themenfeldern Verantwortung übernehmen muss.

Falls auch Sie die Sommerpause nutzen wollen, um sich nach einem neuen Verantwortungsbereich umzusehen, haben wir hier einige aktuelle Stellenanzeigen für Sie ausgewählt:

Zur Erweiterung des Kontaktnetzwerks würde sich diese Woche der BCCG Sommer-Empfang anbieten. Und wer sein Wissen im Bereich der Sicherheitspolitik erweitern möchte, dem sei die Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum NATO-Gipfel in Warschau empfohlen. Weitere Termine finden Sie auf politcal.de.

Eine friedliche Woche wünscht

Dr. Sandra Busch-Janser

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